Norwegen - Schweden - Finnland - Fotos: Helmut Dietz, Bielefeld

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Der folgende Bericht erschien am 28./29.3.2006 im www.sleddogfreak.de
Ich habe von Deutschlands Parademusher davon erfahren, ihn einen Tag später gelesen und auch gleich 1:1 hier reinkopiert. Jeder der ihn liest kriegt feuchte Augen, auch wenn er nicht dabei war! Die eine oder andere Bemerkung ist nur für Insider gedacht. Man muss aber auch nicht alles verstehen, um diesen Bericht klasse zu finden! Danke Reini (= Reinhard Monschein, Österreich)!
Reini Monschein, Österreich

Ich habe den Bericht überarbeitet und die Tippfehler eliminiert, wo etwas fehlt drei Pünktchen gesetzt "..." - Wer ihn im Original lesen möchte, findet ihn im "www.sleddogfreak.com"!

Hallo Ihr Lieben,

bin zurück aus Lappland und um einige Erfahrungen reicher. Durch die enormen Schneemaßen daheim, kam ich vor lauter Schneeschippen nicht wie geplant nach Schweden hoch. Vielleicht sollte ich mir auch einen Bagger anschaffen. Endlich klappte es dann doch, hatte jedoch dann nur eine Woche um die Hunde fürs Gafsele - Rennen zu trainieren. Leider wurde auch ein Teil meiner Hunde vom Virus nicht verschont und so beschloss ich in der 8-Hunde-Klasse zu starten.
Beim Wässern am Morgen sah noch alles ok aus, alle tranken und waren gut drauf. Leider waren 2 dann doch im krankwerden, also Matte und easy heim. Am 2. Tag bin ich dann mit 6 Hunden raus und es ging wie am Vortag: Einbruch nach 10 km, also Matte und im Trab ins Ziel. Es war eine komische Seuche, dauerte 2-3 Tage, Durchfall und kein Fressen angerührt, dann war es wieder ok. Nachdem Marc, Klaus Starflinger, Michael Labove und Sven Heitmann kranke Hunde hatten und deswegen nicht am Draget teilnehmen konnten, hätte es für den Rest der Mannschaft auch das Aus bedeutet. Nach anfänglichem Zögern bin ich dann doch an Bord von Team Gafsele gegangen. Vorbereitungszeit 9 Stunden, denn am Morgen ging’s los. Also die gesunden Hunde eingepackt, Futter und Klamotten verstaut und los ging’s mit vielen ?????

2. Teil

Fragezeichen wie: sind die Hunde wieder gesund, wird der Rest auch noch krank? Hab ich alles mit was ich brauche, wie werden die Hunde auf die Schijörer reagieren? ... Im Quartier angekommen, die Hunde etwas skeptisch gefüttert, aber alle fressen und sind gut drauf. Dann die Durchsage: Menschenfutter ist fertig!? Die Frauen von Marc, Ferdinand und Bert hatten daheim für uns vorgekocht und so blieb uns mehr Zeit, um uns um Hunde und Ausrüstung zu kümmern. Es schmeckte echt lecker!
Einen herzlichen Dank an die Mädels!!! Dann Teambesprechung, wer, wann und wo startet. Die Logistik spielt bei diesem Rennen eine große Rolle, besonders in unserem Fall, da das Team Gafsele aus nur 5 Fahrern bestand. So blieb nichts anderes übrig als Doppeletappen zu fahren, da die Betreuerfahrzeuge langsamer waren als wir mit den Hunden und nicht rechtzeitig an den Wechseln sein konnten.
Gregor eröffnete für unser Team das Draget mit dem Massenstart in Ammarnäs. Alles lief super und wir lagen am 2. Platz hinter Alpentrail bis zur letzten Etappe. Als Juha dann unterwegs war, fuhren wir mit dem Truck zum Ziel in Sorsele. Wir sahen gerade noch Ulli, der die letzte Etappe für Alpentrail fuhr, auf dem Fluss hinter einem Ski-doo ins Ziel brettern. Auch Juha war schon angekündigt (1 km vor Ziel wird das von einem Posten der Orga per Funk ins Ziel gemeldet und auf einer Tafel angeschrieben). Aber Juha kam nicht! Er fuhr am Ziel vorbei, das vom Fluss aus nicht ersichtlich ist. Man muss sich das so vorstellen: Trail am Fluss, der an manchen Stellen bis zu 200 m breit ist und der ganze Fluss ist Trail, platt gewalzt von Ski-doos nur ab und zu Stangen im Eis die zum Teil durch Wind und Tauwetter umgefallen sind. Also kein Trail wie man es hier gewöhnt ist. Juha drehte dann um und schaffte es dann doch noch. Manche waren mehr, andere weniger enttäuscht - wegen der verlorenen Zeit.
Doch alle wussten, dass es jedem von uns passieren hätte können. Deshalb war die Stimmung im Team trotzdem gut. Auch das ist Vindelälvsdraget! Leid getan hat es Juha am meisten von uns allen, mit Sicherheit.
Die Rennleitung hat dann für die noch kommenden Fahrer die Zieleinfahrt besser markiert und wir bekamen die langsamste Zeit dieser Etappe also doch Rang 9 statt 12.

Im Ziel rief man dann plötzlich, "He, Reini komm mal rüber!" es waren die Alpentrailer die mich auf österreichisches Zipfer Bier einluden. ... Danke ans Team Alpentrail dafür.

Hab jetzt leider nur die alten Gesamtzeiten: 96,5 km in 2.57.00 vom besten Team

2. Tag

... war geprägt von tricky Trails, einem hoch motivierten Team und Freude an der Sache.

Alte Bestzeit: 113km in 3.45.56

3. Tag

... der härteste Tag!

Ich bekam den gefürchteten Massenstart in Björksele zugeteilt. Ich stand in der ersten Startreihe, links von mir Heini, daneben Lena Havimäki, rechts von mir Maria Lindquist usw. 10 Teams in einer Reihe, 35 insgesamt und das auf einem Hang bergab, nach ca. 80 m 90 Grad Linkskurve in einen Flaschenhals, dann 90 Grad rechts über Steine ins Flussbett runter. Mir war’s ganz schön mulmig. Zwischen den Teams gerade mal Abstand für Schuhgröße 44. Hab mich mal umgedreht vorm Start und ich hätte es besser nicht tun sollen: heiliges Kanonenrohr! 25 Teams hinter mir aufgereiht wie die Sardinen in der Büchse! ... Hilfe!!! Man versteht kein Wort mehr, die Hunde werden heißer und heißer, wollen los. Die Startflagge fällt, die Hölle bricht auf. Alles geht rasend schnell, mein Wheeler legt sich ins Zeug , Ulli tritt ein winziges Stück zurück als er Heinis Hunde loslässt und wird von Neros Neckleine gefällt. Er fällt wie ein Baum auf meine Gangline, Kralle bei mir, Ulli (Schuhgröße 46) 20 m weit mitgeschleift, ich kann nichts tun, links und rechts von mir pfeifen die anderen Teams vorbei, endlich kommt Ulli raus, ich glaube ich hab ihn sogar überfahren, in der ersten links, Blick zurück, Ulli steht, Gott sei dank!!!

Es ist unglaublich wie schnell die Schifahrer unterwegs sind und es ist kaum Platz zum Überholen, aber irgendwie geht’s dann doch im Slalom durch. Es war auch sehr warm heute, so ca. 10 Grad plus am Fluss, kein Schatten, Trail matschig tief zum Teil overflow. Ich nahm die Hunde etwas zurück weil ich ja noch eine Etappe zu fahren hatte. Für unser Team lief es ganz gut. 8. Gesamtplatz.

... alte Bestzeit 120,5 km in 4.02.22

4. und letzter Tag

... es ist kälter, stürmisch und es schneit von Zeit zu Zeit ganz leicht.

Am Wechselpunkt treffe ich Rudi, der wie ich die 2. Etappe fährt. Wir sind ein bisschen nervös, da wir gehört hatten, dass dies die gefährlichste Etappe vom Draget sei. Aber ich sah auch die anderen Mitstreiter nicht lachen. Hilfe!! Man warnte uns vor dem schnell fließenden offenen Wasser des Vindelälven und dem puren Eis ... Es ging los: zuerst Kamelbuckelpiste, dann Abfahrt auf den Fluss, scharfe Kurven, dann vom rechten Ufer quer über den Fluss aufs linke und dort dem Fluss entlang. Der Sturm hatte den letzten Schnee weggeblasen und man fährt auf blankem, dunklem Eis. Beeindruckend mit welcher Geschwindigkeit die Hunde übers Eis laufen können, stehe leicht auf der Matte, um sie in Balance zu halten. Vor mir Jonas vom Team Samelandresor, ein Virtuose am Danler, doch was jetzt? Er hat den Schlitten angehoben, steht mit dem rechten Fuß auf der linken Kufe und fährt auf dieser und mit dem linken Fuß am Eis Schlitten? Wir driften vom Trail ab, der Sturm bläst uns von links vom Trail auf offenes, gurgelndes Wasser zu. Mir rutscht das Herz in die Hose, wir driften und driften, immer näher zum Wasser. Der Trail geht 90 Grad weg, aber wie? Wir haben die Schlitten dann fast hingelegt, fast verbogen vor lauter drücken, endlich aber dann doch geschafft, danach erhobener Daumen von Jonas und mir und so ging’s weiter im Slalom auf Eis zwischen Felsen, kein Platz, kannst nicht bremsen sonst zerschellst an den mannshohen Steinen, dann ein Baum gut einen halben Meter dick, kommst nicht vorbei, also drüber, stabiles Teil der Danler, da steht ein Schifahrer neben seinem Vorsteher welcher keine Nerven mehr hatte und sich abgelegt hat ... weiter ... zum Ende hin überhole ich Jonas und kam als 3. Schlittenteam ins Ziel. Hinter Lena und Rudi! Ich wartete nach dem Wechsel auf Jonas. Er kam zu mir, wir zogen unsere Handschuhe aus, gaben uns die Hand und ein: "It was nice to race with you!" kam über meine Lippen. "Thanks same to you!", kam es über seine. Es war ein sehr ergreifender Moment ...!

Allen war die Anstrengung ins Gesicht geschrieben und die blasse Gesichtsfarbe hatte ins rot gewechselt. Lena sah aus wie die Äpfelfrau, mit ihren roten Bäckchen, und allen war’s recht warm in den Klamotten.
Wir versorgten die Champions und eilten weiter nach Vännfors, um Juha beim Start zu helfen. Er fuhr die letzte Etappe ins Ziel nach Vännesby. Dann mit dem Truck zum Ziel, um Juha mit Hallo zu empfangen. Die Alpentrailer waren schon lange da und hatten schon mindestens 1 Zipfer gegurgelt. Juha kam und wir beendeten das Vindelälvsdraget mit dem 8. Gesamtplatz.

... alte Bestzeit: 70,5km in 2.05.44

Was mich besonders beeindruckt hat: DER TEAM-GEIST !!!

Ich möchte mich bedanken bei den Fahrern: Gregor, Bert, Juha und Pasi, sowie den Betreuer-Team Jeanette, Marc, Ferdinand; Esko und Helmut Dietz, der statt zu fotografieren als Handler für Gregor eingesprungen ist, sowie bei Tom (Bungic) der in Gafsele Gregors und meine Hunde versorgt hat, die wir nicht mitnehmen konnten. Danke! Ohne dieses Team hätte es kein Draget für uns gegeben. Nicht zuletzt bin ich stolz auf meine Hunde: Nero, Dusty, Helmut, Marylinchen, Alu, Sandra und Falco. Allen voran auch meinen Leadern Ginko (Marc) und Micky (Heinrich), die jede Etappe mein Team souverän und sicher geführt hatten und nicht müde wurden, alles für mich zu geben.
WELCH GROSSARTIGE HUNDE!

Keiner verletzt, alle gesund, keiner im Sack, einfach super!

Ich bin auch froh, wieder gesehen zu haben, dass es doch noch Kollegen gibt, denen fairer Sportsgeist wichtig ... - „dogpeople“ einfach!

1100 Hunde, 35 Teams -Vindelälvsdraget 2006 - Ich bin stolz dabei gewesen zu sein!!

DANKE an ALLE

Reini



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